Bube, Dame, König

Bis vor kurzem hat mein Junge noch auf meinen Schoss gepasst. Hat sich an mich gekuschelt, auch in der Öffentlichkeit. Ich durfte ihm mit meinen Finger durchs Haar fahren und ihm sagen wie lieb ich ihn hab.

Heute darf ich das alles auch noch – bis auf die Haare – allerdings nur daheim, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich erkenne das mein Junge die Tür der Pubertät geöffnet hat und jeden Tag ein wenig mehr Chaos bei uns Einzug hält. Das diese Zeit irgendwann kommt, damit hatte ich gerechnet.

Das sie dann doch so schnell da ist – dass hat mich überrascht. Oder doch eher verunsichert und traurig gemacht? Wahrscheinlich alles zusammen.

Warum?

Weil ich sehe, wie schnell die Zeit vergangen ist und ich Angst habe in der Zukunft nicht mehr mitzukommen. Angst das aus meinem Kind nichts gescheites wird, er die falschen Freunde hat und ich als Mutter nicht mehr gebraucht werde.

Was ist denn nun anders?

Alles und nichts. Die Haare müssen jeden Morgen richtig liegen, die Klamotten müssen sauber und cool sein. Das Bad ist gesperrt für uns, wenn der junge Mann drin ist und sein Zimmer sowieso. Sind Freunde zu Besuch ist es immer laut und mein junger Mann wirkt dabei so obercool. Von Schule und Hausaufgaben will er nichts wissen und Fragen zum Thema bleiben oft unbeantwortet. Teilnahme an der Hausarbeit wird stets mit maulen kommentiert und seine Stimmung schwankt. Meistens ändert sie sich sekundenschnell, somit habe ich gar keine Chance mich darauf einzustellen.

Die größte Umstellung oder Erneuerung ist allerdings, dass er zu allem seine Meinung sagt. Auch zu Dingen die ihn einfach nichts angehen. Immer muss er seinen Senf dazugeben, egal ob gefragt oder ungefragt. Hinweise an ihn, diese „Macke“ doch zu unterlassen, werden dann gleich wieder maulend kommentiert bzw. ausdiskutiert.

Das Schwierigste

 

DAS ist für mich das Schwierigste. Dieses Aushalten. Ihn zu lassen und mit Verständnis zu reagieren. Für mich als geborener Stier – eine echte Herausforderung.

Eine weitere Herausforderung ist die Beziehung zwischen meinem jungen Mann und meinem Ehemann. Diese beiden können nicht miteinander und nicht ohne einander. Sie diskutieren ALLES aus, jeder weiß es besser und Kräfte messen, in Form von Wettrennen, gehören auch noch dazu.

Das Väter und Söhne eine anderen Beziehung zueinander haben, dass ist mit bewusst. Das sich die Jungs an ihren Vätern reiben und messen, auch dass ist mir bewusst.

Was mir allerdings nicht klar war, es dann auszuhalten. Nicht dazwischen zu gehen, wenn die beiden Herren wieder einen ihrer Ringkämpfe haben. Nicht dazwischen zu gehen, wenn es um konsequente Erziehung geht und ich denke: Das ist jetzt aber ganz schön hart – für meinen kleinen Jungen. Nicht dazwischen zu gehen – ein Kraftakt für mich.

Aber dann gibt es DIESE Momente. Da sitzen meine Männer zusammen und basteln. Oder sie schauen sie eine Dokumentation an und tauschen sich über das Thema aus. Oder mein kleiner Junge sagt: Papa ist schon echt cool.

Kommunikation zwischen Eltern – so wichtig

Jeden Abend stehe ich dann am Bett von meinem Sohn und betrachte ihn. Wie friedlich mein großes Baby da so schläft. Und jeden Abend sprechen mein Mann und ich. Über ihn und die Situationen vom Tage. Über unsere Reaktionen darauf und reflektieren. Wie haben wir reagiert? Haben wir überreagiert?

Diese Gespräche sind so wichtig, damit wir unseren Jungen und unsere Liebe zum ihm im Auge behalten. Damit wir vor lauter Chaos, weiterhin seine Schönheit und seine Werte sehen. Damit wir für das nächste Chaos gestärkt sind und nicht alte Verletzungen mit uns rumtragen. Wir stehen noch am Anfang der Pubertät und bin gespannt wie es sein wird, wenn wir mittendrin stecken. Ich bin aber auch ganz zuversichtlich, dass wir das alles hinbekommen. Das aus unserem Jungen ein toller Mann wird, der weiß was er im Leben will und seine Ziele erreichen wird. Und wenn ich dann alles über die Pubertät weiß – mit meinem Jungen, dann ist bestimmt mein kleines Mädchen soweit. Und dann, dann wird alles Neu.

 

Die Autorin

Jana Ludolf

ist verheiratet und Mutter von 2 Kindern. Das erste Kind startet gerade in die Pubertät.

Sie hat verschiedene Ausbildungen absolviert und möchte nun ihr Wissen zum Thema Kommunikation an Andere weitergeben.

Im wunderschönen Thüringen arbeite sie in ihrer eigenen Praxis als psychologische Beraterin  und
Kommunikationstrainerin.

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