Kennst du das schöne Sprichwort: „Wie du mir so ich dir?“ Manche Eltern meinen anscheinend, dass dies eine tolle erzieherische Maßnahme sei.

 

„Damit er/sie mal merkt, wie das ist!“

Das Kind hat sich etwas genommen, was ihm nicht gehört. Dann halten es manche für sinnvoll, ihm dann auch etwas wegzunehmen, damit es mal „merkt, wie das ist“. Heißt für mich, die anderen fühlen sich zwar schlecht, wenn ich das tue, aber sie machen es ja auch. Warum soll ich es dann lassen?

 

Junior hat etwas nicht weg geräumt, also lass ich das von heute an auch. Dann sieht er mal, wie das ist! Ich glaube, da gibt es nur wenige, die das tatsächlich stört und die das dann auch noch auf sich beziehen würden.

 

Töchterchen hat irgendwas vergessen, Mama hat den Eindruck, sie wird ignoriert, also rät ihr eine andere Mutter: „Ignoriere sie einfach auch, das muss sie mal merken.

 

Der kleine Prinz gratuliert nicht überschwänglich zum Geburtstag. Dass Mama da traurig ist, kann ich voll und ganz verstehen. Was sich mir nicht erschließt, was es bringen soll, es bei seinem nächsten Geburtstag genauso zu machen.

 

Das waren nur einige Beispiele. Und wenn ich jetzt ganz ehrlich bin, erinnert mich das an typisches Verhalten im Kindergartenalter.

„Die hat mir den Teddy weggenommen, also nehme ich Ihr was anderes weg.“

Ich möchte damit niemandem zu nahe treten, aber unbedingt deutlich machen, dass das sicher nicht den gewünschten Erfolg bringen wird.

Wie soll mein Kind mich ernst nehmen, wenn ich mich selbst verhalte wie ein Kleinkind?

Das was damit hauptsächlich vermittelt wird, ist, dass das Kind nicht gesehen und gehört wird und somit das Gefühl vermittelt bekommt, dass man es gar nicht verstehen will.

 

Bevor ich es also dem Kind gleich tue, sollte ich überlegen, warum es sich so verhält. Was könnte der Grund sein? Genau hinschauen und hinhören, statt beleidigt zu sein oder gar zu denken, dass das Kind mit Absicht verletzen möchte.

 

Also wäre es doch sinnvoller zu schauen, warum es das getan hat.

Nimmt mein Kind meine Sachen, weil es gar nicht verstanden hat, wie wichtig mir die sind? Wie handhaben wir das sonst in der Familie? Wie respektvoll gehe ich mit dem Eigentum des Kindes um?

 

Kann es sein, dass Töchterchen oft etwas vergisst, weil sie gerade so viel im Kopf hat? Oder weil sie eventuell sogar etwas bedrückt oder schwer beschäftigt? Dann wäre es wohl nicht die beste Lösung, sie einfach zu ignorieren.

 

Warum fällt Junior Mama nicht um den Hals und knutscht sie ab, wenn sie Geburtstag hat? Ist er dafür möglicherweise gerade zu cool? Könnte es nicht sein, es ist ihm tatsächlich unangenehm und er fühlt sich unsicher in der Distanz, die er sich seit Monaten erkämpft und die zu seinem Entwicklungsprozess ganz natürlich dazu gehört?

 

Das sind nur einige mögliche Fragen und Antworten. Das kann auch ganz anders sein. Aber es sind Fragen, die man sich dann stellen könnte. Hinschauen und nachdenken. Warum verhält sich mein Kind gerade so, wie es sich verhält?

 

Sollten, was aber äußerst selten der Fall ist, Kinder ähnliche Dinge tatsächlich mit voller Absicht tun, ändert es die Situation auch nicht. Auch dann stellt sich die Frage, warum das so ist. Welchen Grund gibt es dafür. Das fällt auch einem Teenager nicht einfach mal so ein.

 

Tatsächlich ist es so, dass Eltern sich untereinander raten, es dem Kind gleich zu tun, „damit es mal merkt, wie das ist.“

In meinen Augen eher eine Verzweiflungstat, die auf Dauer einen sehr ungünstigen Kreislauf hervorruft.

Stellen wir uns mal vor, wir behandeln unsere Partner so, oder werden so behandelt. Also ich setzte jedesmal noch eins oben drauf, wenn mir sein Verhalten nicht passt. Diese Beziehung, da sind wir uns sicher einig, wäre 100%ig zum scheitern verurteilt.

 

Genauso ist das mit der Beziehung zu unserem Kind!

Die Kid’s werden es beim nächsten Mal wieder tun. Warum auch nicht, Mama und Papa machen es ja auch nicht anders. Kinder und auch noch Teenager werden sehr von unseren Verhaltensweisen geprägt.

 

Das zeigt sich auch dann, wenn wir das „Wie du mir, so ich dir“ -Prinzip auf einer ganz anderen Schiene anwenden. Da nämlich, wo es tatsächlich funktioniert. Mit dem selben Respekt, mit dem ich meinem Kind begegne, wird es auch mir begegnen. Das selbe Vertrauen, das ich meinem Kind entgegen bringe, wird es auch mir entgegen bringen.

Du kannst es für euch und eure Mutter-Kind-Beziehung arbeiten lassen, statt gegen euch!

KeepCool 
 Daniela

Manchmal braucht es gar nicht viel, um ein Problem zu lösen, oder eine Sorge aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen.