„Frau Strube, ihr Kind ist hochbegabt.“, das hörte ich 2x. „Bingo“, „Wow“, ich habe kleine Intelligenzbestien in die Welt gesetzt! Das müssen sie von mir haben 😉 Klar war ich stolz und freute mich für meine Jungs.

Wenn da nicht diese riesengroßen Steine gewesen wären, die ihnen immer wieder in den Weg gelegt worden sind. Die meinen Kopf manchmal denken ließen: `Es wäre wohl besser für sie, sie wären ganz normal.´

Natürlich sind sie normal, zumindest so normal wie ich 😉 Und wer nicht normal ist, hat auch alles richtig gemacht.
Heute gehen sie ihren Weg und ich möchte allen Eltern, die heute die Sorgen haben, die ich damals hatte, Mut machen.

Hochbegabung – dieses Thema, was mich sozusagen immer wieder „verfolgt“ .

Einfach nur so, oder gibt es dafür einen Grund?

Nun ist es auf jeden Fall so, dass mir dieses Thema in meinen Beratungen immer wieder unter kommt und ich merke, dass es mir besonders am Herzen liegt, genauso wie die Kids und Mamas, die es betrifft.
Nur 1-2% aller Menschen haben einen so hohen IQ, dass man von Hochbegabung sprechen kann. Ich habe 2 davon zu Hause und überdurchschnittlich viele von ihnen landen bei mir in der Beratung. Zufall? Wohl eher nicht!

Dazu muss ich sagen, dieses Thema beschäftigt mich schon viele Jahre. Anfangs gar nicht unbedingt freiwillig, also irgendwie  wurde ich, so wie einige andere Eltern auch, da so rein geschubst.

Also wirklich begann es schon vor ca. 20 Jahren. Junior 1.0 kam in den Kindergarten. Vorher fehlte mir einfach ein Vergleich, mein Kind war einfach mein Kind und ganz wunderbar. Also wunderbar ist er immer noch. Zum Glück, denn er hat einen ziemlich anstrengenden Weg hinter sich.

Also im Kiga merkte ich schnell, irgendetwas ist anders als bei den anderen Kindern. Er konnte nur mit wenigen Gleichaltrigen etwas anfangen. Nicht mit deren Spielen, noch mit dem eintönigen Tagesablauf. Also dort wurde sich viel Mühe gegeben, es war einfach nicht das Richtige für ihn.

Das war einer der Gründe, weshalb ich eine Beratung in Anspruch nahm, um Hilfe bei der Entscheidung, vorzeitige Einschulung oder nicht, zu bekommen. Es ging nur um ein paar Wochen und ich hatte einfach das Gefühl, mein Kind muss da raus und ein schlaues Kerlchen war er sowieso.
Also gesagt, getan, Beratung in Anspruch genommen, Test gemacht und bei der Auswertung hieß es, der Bursche ist überdurchschnittlich intelligent. Glaub mir, ich hatte keine Ahnung, was das für ihn die nächsten Jahre bedeuten würde.
Damals kannte sich hier niemand aus. Also man kann auch niemandem Vorwürfe machen. Daraus folgte ein jahrelanger Schulchaos-Marathon. Einschließlich Schulwechsel, Klasse am Gymnasium wiederholen und allem was dazu gehört.
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Zwischenzeitlich war auch Junior 2.0 in der Schule.

 

Dort lief es zunächst recht entspannt. Bis Klasse 3, dann mussten wir auch da „eingreifen“. Also haben „wir“ eine Klasse übersprungen und sofort das Gymnasium angesteuert. Doch auch das reichte bald nicht mehr, also musste eine andere Lösung her. Zum Glück fanden wir eine tolle Schule, die ihm auf Anhieb gefiel. Es gab nur einen Haken, Junior musste dort mit 10 Jahren ins Internat. Das war eine der schwersten Entscheidungen, die ich für meine Kinder jemals treffen musste. Aber für ihn eine der Besten.

Das war mal eine ganz kurze Kurzfassung, um dir zu zeigen, dass es bei uns ähnlich, wie bei den meisten anderen Familien mit HB-Kindern gelaufen ist.

Im Laufe dieser Jahre hatten wir unglaublich viele Aufs und Abs.

Tolle Erlebnisse mit den Kids und ihrem unglaublichen Wissensdurst. Der allerdings auch sehr anstrengend sein kann.
Die Jungs und ich, wir haben eine echt turbulente Zeit hinter uns und auch zeitweise wirklich gelitten. Es ging mir sehr ans Herz, als wir auf ständiges Unverständnis stießen und auf der Suche nach Unterstützung und Normalität, immer wieder auf die Nase gefallen sind.

Wer selbst ein HB-Kind hat, weiß ,was das bedeuten kann.

Wir, vor allem die Jungs haben es geschafft. Es sind 2 richtig tolle Burschen aus ihnen geworden, die wissen, was sie wollen und die auf ihrem Weg sind.

Damit ihr genau das auch einmal sagen könnt und es für euch etwas einfacher wird, habe ich meine besten Tipps für euch zusammengefasst:

  1. Das Wichtigste ist NICHT die Schule oder gar Zensuren. Das Wichtigste ist der Kontakt zu anderen Hochbegabten. Das ist besonders wichtig, um den Kindern das Gefühl zu geben, nicht alleine, bzw. nicht alleine anders zu sein. Sie sind dann nicht mehr „sonderbar“ und können über ihre Ideen und Themen sprechen, was sonst kaum möglich ist.
  2. Eine spezielle Schule kann allerdings aus dem selben Grund und natürlich für viel passenderen Unterricht, sinnvoll sein.
  3. Stelle die HB deines Kindes niemals mit schulischen Leistungen gleich. Die wenigsten bringen dort tatsächlich Höchstleistungen. Das liegt einmal an der häufigen Unterforderung, aber auch daran, dass HB-Kids keine Dinge lernen, dadurch, dass sie sie vorgesetzt bekommen, sondern durch Logik, Neugier, selbst herausfinden und aufgrund ihrer ganz eigenen Denkstrukturen. Außerdem gibt es HB, die sich nach „unten“ anpassen, um nicht noch mehr aus dem Rahmen zu fallen. Besonders bei den sensiblen HB kann das beobachtet werden.
  4. Tausche dich mit anderen Eltern aus. Das ist für dich sehr wertvoll. Ihr könnt euch gegenseitig Tipps geben und vor allem unterstützen. Nur sie können tatsächlich verstehen, wovon du redest. Das tut dir und deinem Kind gut.
  5. Lass dein Kind viele verschiedene Dinge ausprobieren, auch wenn es noch so seltsam erscheinen mag. Nur so findet ihr heraus, was genau der Favorit von ihm/ihr ist. Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung, damit dein Kind wirklich genügend Input bekommt und auch noch genau den, den es braucht. Bei einigen Kindern können das durchaus mehrere Dinge gleichzeitig sein. Keine Angst, dein Kind wird dir deutlich zeigen, falls es zu viel wird. Also sollte es unbedingt etwas sein, was Kinder „normalerweise“ noch gar nicht tun, oder z.B. lesen, dann versuche den Wunsch zu erfüllen.  Dein Kind weiß selbst sehr gut, ob es das Richtige ist.
  6. Du musst dein Kind nicht ständig fördern. Die Intelligenz wird weder verkümmern, noch zurück gehen. Lass es selbst ein Gefühl dafür entwickeln, was es mag und was genug Input bringt. Möglicherweise hat es ein großes Talent, aber es macht ihm/ihr trotzdem überhaupt keinen Spaß. Oder natürlich genau anders herum. Ermögliche deinem Kind den Rahmen und den Raum, seine Interessen und Neigungen „auszuleben“.
  7. Rede mit deinem Kind und hilf ihm, seine Besonderheit als Begabung und persönliche Stärke zu erkennen und anzuerkennen. Und unterstütze es dort, wo es vielleicht noch Hilfe braucht, insbesondere dann, wenn vielleicht zwischen Intelligenz und sozialen Fertigkeiten größere Diskrepanzen sind. Hochbegabung kann kombiniert sein mit AD(H)S und/oder mit Hochsensibilität und hierbei können soziale und emotionale Unsicherheiten darüber hinwegtäuschen, was das Kind vielleicht wirklich braucht, wirklich kann und was besondere Beachtung finden sollte. Mitunter kann es schwer nachzuvollziehen sein für Außenstehende, dass so ein „kleiner Kluger“, der alle Fahrpläne auswendig kann, es nicht schafft, soziale Regeln zu befolgen oder in seiner Selbständigkeit noch sehr hinterher hinkt.
  8. Müttertipp: Die Anforderungen an dich als Mutter oder euch als Eltern können andere sein als die von Eltern mit Kindern, wo alles „läuft“. Diese Besonderheit teilst Du mit allen Eltern, die ein Kind haben, was besondere Bedürfnisse aufweist, seien es jetzt Hochbegabung, Lernschwierigkeiten, Krankheiten, Behinderungen etc. Wir müssen uns halt immer noch ein paar Gedanken mehr machen, weil die Besonderheiten unserer Kinder eben nur uns betreffen und wir vielleicht damit auch erst einmal allein dastehen bis wir Kontakte zu anderen „betroffenen“ Eltern oder Gruppen etc. geknüpft oder entsprechendes Verständnis oder Unterstützung gefunden haben. In Schule und Alltag gelten für uns oft andere Prioritäten. Womit wir auch schon gleich beim Thema sind: Schaue auf dich, dein Kind und eure Familie und setze dort die Prioritäten dafür, was ihr im Einzelnen aber auch als Familie braucht. Schaue, was wirklich wesentlich für dich und dein Kind und eure Familie ist. Erkennt eure besondere Situation an und lebt dann nach eurer Fasson, egal, was andere sagen, denken, meinen.  Erkenne die Einzigartigkeit deines Kindes an und stärke es, wo immer du es kannst. Schaue gleichzeitig, dass du als Mutter die Entspannung, die Unterstützung und die Freiräume bekommst, die es dir ermöglichen, Ruhe und Kraft zu tanken, damit du in Freude dein wunderbar besonderes Kind durch seine Kindheit begleiten kannst.

 

Im Übrigen ist es ja manchmal so, dass man sich als Eltern von Kindern, die in irgendeiner Weise „aus dem Rahmen fallen“, wer auch immer diesen nun definiert, vorkommt wie ein Alien. Hier möchte ich dich beruhigen. In unserem Schulsystem tut man sich einfach noch sehr schwer, was den Umgang mit Hochbegabung betrifft. Eine Pädagogin sagte mal zu einer Mutter eines HB-Jungen: „Unsere Schulen sind für die breite Masse da. Da gibt es einfach keine Kapazitäten weder für besonders intelligente noch sehr leistungsschwache Schüler.“  Hier in Deutschland tut man sich einfach noch sehr schwer. In anderen Ländern wird mit Hochbegabung ganz anders umgegangen und da fällt man als Familie auch nicht so aus dem Rahmen. Also….packe alle Alien-Gefühle in den Keller und sage dir, mit uns ist alles in bester Ordnung, wir dürfen genau so sein, wie wir nun mal sind.

Mir ist durchaus bewusst aufgrund eigener Erfahrungen und auch durch meine Beratungen, dass es im Zusammenleben mit einem oder auch mehreren hochbegabten Kindern Dinge und Situationen geben kann, wo man nicht weiter weiß. Wo einem selbst das Wissen und die Erfahrung zum Thema „Hochbegabung“ fehlen und auch die Bücher zum Thema nicht mehr weiter helfen. Zögere in diesem Fall nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Oft kann schon ein ausführliches Gespräch helfen und neue Wege aufzeigen.  Wenn du Beratungsbedarf hast findest du mein Angebot hier rechts…

KeepCool
Deine Daniela

Lektorat: Almut Switalla

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