GLÜCK · Frauen · Entwicklung · Familie 

Manchmal komme ich mir vor wie im Märchen. Das ist gut. Denn Märchen haben ihre Gesetzmäßig-keiten in der Dramaturgie.

Eines davon lautet: Am Ende wird alles gut.

Foto Gastartikel3

 

Mein Märchen beginnt so:

Es war einmal… winzig, dann klein und größer werdend, zuckersüß und wohl duftend, tapsig, mein größter Fan, eine naive Bewunderin, glucksend, plappernd, nachts-zu-uns-tappernd, warum-aus-Neugierde-fragend, flauschig und weich, rosa mit Blümchen, unwissend, oft in Tränen aufgelöst, zöpfe-hüpfend, damals schon eigensinnig, wortefindend und wunderbar.

Bis vor ungefähr eineinhalb Jahren. Dann begann eine Wandlung. Nicht schleichend. Sondern Konsequent und gewaltig.

Es ist nunmehr…fast so groß wie ich, oft sauer und manchmal überparfumiert, anmutig, Eine ‚bloss-nicht-wie-du-sein‘-Überzeugungs-verräterin, meine leidenschaftlichste Kritikerin, hysterisch gackernd, nachaktiv, provozierende Warum-Fragen-Stellerin, eckig und kantig, grau-schwarz-beige, turboschlau, vermeintlich über-den-Dingen-stehend, frisiert mit einem ‚Dödel‘ auf dem Kopf, immer noch eigensinnig, wortstark und noch wunderbarer.

Seit fast 17 Monaten, 3 Wochen, 2 Tagen und 8 Stunden entsteht etwas, das meine Emotionen annähernd wöchentlich eine Turbo-Achterbahn fahren lässt. Ob ich auf Achterbahnfahren stehe – Escould not care less! Wenn nicht, mein Problem. Beim Achterbahnfahren ist man ja physikalischen Gesetzen ausgeliefert. Man fährt mit voller Wucht rauf und runter. Man sieht die nächste Abfahrt kommen. Sie kommt aber so schnell daher, dass einem nix bleibt, als sich ihr hinzugeben. Und dieses anschließende Hinauf in schwindelerregende Höhen entschädigt für den drohenden Blasensprung im Looping. Gut angeschnallt mit Vertrauen auf den deutschen TÜV aber nicht lebensbedrohlich. Hofft man.

Zurück zum Märchen.

Darin wimmelt’s üblicherweise von Hexen, bösen Stiefmüttern, großmütigen Königen, zauberhaften Prinzessinnen und Consorten. Und oft gibt es eine Königin. Nun bin ich der Meinung, dass das Amt der Königin in unserer Viererkonstellation mir zusteht. Seit aber rosa von grau-schwarz-beige abgelöst wurde, will Es mir diese Position strittig machen. Einerseits, was Macht, Einfluss und Entscheidungsgewalt angeht. Andererseits, was amouröse Verhaltensweisen mit Hinblick auf den König betrifft. Den Vater meine ich. Meinen Mann! Da wird geflirtet und geschnurrt. Gewitzelt und kokettiert. So dass ich mich fast hämisch freue, wenn Es quasi aus dem Nichts ihre Gunst vom Vater ab- und einem anderen fiktiven oder leibhaftigen, noch aber virtuellen Es (männlich sowie weiblich) zuwendet. Klar ist auch, dass mir wahlweise, und nicht etwa im Rahmen eines kindlichen Rollenspiels, Attribute von Hexen und bösen Stiefmüttern zugeschrieben werden. Gefühlt zumindest.

Das Schloss

in der Es-war-einmal-Version war lieblich eingerichtet, stets gut gelüftet, verhältnismässig organisiert-unaufgeräumt. Und es beglückte mich mit Unmengen von Büchern und schönen Zeichnungen, Pferdepostern und Streifen-T-Shirts als ein Reich, in dem ich stets willkommen war. Zum gemeinsam Spielen, Lesen, Kuscheln und Aufräumen. In der Jetzt-Version sind wir kurz vor einer akute notwendigen Renovierungsphase. Ganz oben auf der Wunschliste steht ein großes Einmetervierzig- Bett (das Kopfkino meines Mannes treibt ihm Schweiß auf die Stirn)! Wenn mir mal Einlass gewährt wird, dann drohe ich über diverse A-Körbchen, halbgefüllte Brotdosen (ach da sind sie), verschiedenste Kabelsalate, unzählige beschriebene Zettelchen, verschiedenste Haufen, die teils aus mir unbekannten Bekleidungsstücken bestehen, zu stolpern. Zudem ist meine Flucht aus der Höhle der Löwin nicht immer gewährleistet. Ich drohe entweder vorher vom bedeutungsschwangeren Duft eines gewissen Hollister oder seinem Six-Pack, das mich vom Antlitz einer Designer-Einkaufstausche hämisch angrinst, ohnmächtig zu werden.

Aber nachts, wenn Es schläft und ich es geschafft habe mal länger wach zu bleiben (Ferien!), dann schleiche ich mich hinein. Und schaue Es an. Ich streiche ihr über den Arm. Manchmal erlaube ich mir einen Kuss. Und es ist das gleiche, verliebte Empfinden, wie gefühlte Tausende von Nächten vorher. Während der Es-war-einmal-Zeiten ermöglichten anständige Schlafenszeiten dieses Ritual.

Apropos nachts – der Morgen danach birgt so seine Überraschungen. Im Alltag läuft’s märchenhaft, nachdem wir Es von der Matratze gekratzt haben, wenn wir nach einem kurzen, gemeinsamen Frühstück noch ein pflichtschuldiges Tschüss hören. Gewappnet bin ich mittlerweile für den Fall, dass zwei Minuten vor dieser seit nunmehr drei Jahren allseits bekannten Deadline ein gellender Schrei und ein lautes Gepöbel durch unser Schloss dröhnen. Das Handy könnte nicht aufgeladen sein. Die Hexe könnte die Busfahrkarte unauthorisiert weggelegt haben (was bitte habe ich mit der Busfahrkarte vonEs zu schaffen?!) oder die böse Stiefmutter hat absichtsvoll einen vollkommen unnötigen Kommentar
a la „Kommst du heute um vier oder später?“ von sich gegeben.

Eine schnelle Umarmung, ein heftiges Drücken oder gar noch ein Küsschen, das sind Relikte der Es-war-einmal-Zeit, die wir dankbar von der Zweitgeborenen in Anspruch nehmen.

Dass Es gerade einerseits schier verzweifelt, weil Es aufgrund der unbeständigen Wettersituation unsicher ist, was die passende Bekleidung für das Open-Air-Konzert von Cro sein könnte. Und andererseits ihr frisch renoviertes Zimmer mit dem künftigen Es teilen würde, damit Flüchtlingskinder ein Zuhause haben – das finde ich tatsächlich märchenhaft! Und während solcher Gespräche treibt Es meine innere Achterbahn in ungeahnte Höhen.

Überhaupt, wenn dieses Es, meine fast 14-jährige Erstgeborene sich mit dieser neuen, zerbrechlichen Selbstsicherheit durch unser Schloss bewegt, dann raubt es mir manchmal den Atem. Ich ahne die Frau in ihr, die sie werden wird. Und ich sehe das Baby in ihr, das ich getragen und genährt habe. Ich höre dieses „Mama-ich-liebe-dich-für-immer!“ und „Du bist so fies, lass mich in Ruhe!“. Und wenn ich diesen süßen, perfekt geformten Po aus dem Augenwinkel heimlich betrachte, dann wünsche ich ihr die zartesten Hände. Und dass das noch lange Zeit haben wird.

Zwei Töchter. Rechnerisch rund acht Jahre Pubertät ohne Pause. Zwischendrein meine eigene Zeit des Wandels. Nun beginnt mein Kopfkino. Man könnte auch denken: Der wahre Held dieses Märchens ist, wie so oft, der König, der diese Jahre prall voll mit weiblicher Energie überleben darf.

Jedes Märchen hat so etwas wie eine Moral. Meine lautet: Ich muss Es aus dem Nest werfen wollen. Wenn die Zeit* kommt. Die „Es ist nunmehr-Zeit“ ist eine notwendige Trainingsphase. Es meint die Mutter, nicht mich. Es muss anders und selbst sein wollen!

Aber Zuhause bin ich Mama und kein Coach. Märchen sind manchmal grausam-schön.

Eins ist gewiss: Alles wird gut!

*Manchmal: jetzt!:-)

 

Die Autorin

Cornelia Lütge

ist nach einer eher klassischen Karriere in der Werbung und im Marketing seit acht Jahren Coach und Trainerin.

Die Zusammenarbeit mit Frauen war schon immer ein Schwerpunkt. Eine Herzensarbeit. Mit der Überzeugung, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist, kommen Frauen zu ihr, die ihr Selbstverständnis von der Berufs-Frau stärker in den eigenen Fokus richten wollen: Gründerinnen, Solopreneure und Unternehmerinnen einerseits mit dem Ziel, ihr Können selbstbewusst und authentisch nach vorne zu bringen. Zudem junge Talente und Entscheiderinnen, die angestellt sind und vor allem zwei Dinge wollen: In ihren Aufgaben einen Sinn sehen und ein Miteinander auf Augenhöhe.

Eines eint Viele: Das Arrangement in einer Beziehung und Familie so zu gestalten, dass das eigene berufliche und persönliche Wachstum den ureigenen Wünschen entspricht, ist und bleibt eine Herausforderung.

‚Wahrheit vor Schönheit und ‚zunächst ist nichts absurd‘ sowie ‚erlaube dir alles zu denken und echt zu fühlen‘ – damit darfst du in der Zusammenarbeit mit der Autorin rechnen. Schließlich willst du in Bewegung kommen.

Willkommen – sehr herzlich – für weitere Eindrücke bei www.cornelialuetge.de.

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