Wie locke ich mein Pubertier aus seiner Höhle?

Oder: wie bewege ich es dazu, mehr gemeinsame Zeit zu verbringen?

Solche oder ähnliche Fragen stellen mir meine Leserinnen und Klientinnen sehr oft. Du fragst dich das sicher auch, sonst wärst du kaum auf den Artikel aufmerksam geworden.

Tja, da muss ich dich und alle anderen Mütter leider enttäuschen.

Es gibt nur eine Antwort auf all diese Fragen: GAR NICHT! Aber ein bisschen Hoffnung gibt es.

 

Ich kann den Wunsch sehr gut verstehen, aber ich kann dir kein Patentrezept geben. Bei den meisten verändert sich das von einem Tag auf den anderen. Aus dem ganz normalen Kind, das sich freut, wenn Mama Zeit hat und gemeinsame Aktivitäten toll findet, früh zum Kuscheln ins Bett kommt und Mama noch gaaaanz dolle lieb hat, wird ein stilles Muffelchen, was am liebsten in seinem/ ihrem Zimmer hockt und nicht mit uns spricht. Ganz und gar ausflippt, wenn wir es versuchen, zum Reden zu nötigen.

 

Zuerst einmal kann ich dich beruhigen, dass ist völlig normal und liegt nicht an dir. Es gehört einfach zur pubertären Entwicklung dazu und es gibt keinen Grund zur Sorge.

 

Das Pubertier und seine Höhle 

 

Ein Pubertier verkriecht sich gerne mal in seiner Höhle, die übrigens das erste eigene Reich ist und oft tatsächlich einer Höhle gleicht und manchmal auch so riecht. Aber nicht vergessen, es ist seine / ihre Höhle und somit wird diese auch verteidigt ? und das, wenn es sein muss lautstark und mit aller Macht. Auch darf man seine Höhle so “ einrichten“ wie man möchte, auch wenn das nicht ganz Mamas Ordnungs- und Hygienevorstellungen entspricht.

 

Die lieben Kleinen fangen jetzt an, sich von den Eltern abzugrenzen und es werden viele andere Dinge wichtig, die sie nun auch nicht mehr mit uns teilen. Viele neue Dinge schwirren in dem Köpfchen herum.  Extrem viele neue Informationen strömen plötzlich und in großen Mengen in den Teenagerkopf. Nun ist innen drin auch gerade noch alles im Umbau und teilweise gesperrt. Das müssen sie erstmal verdauen und sortieren und das braucht Zeit. Manchmal sehr viel Zeit und zwar alleine. Sie fangen an, vieles mit sich selbst auszumachen, oder mit Freunden. Da ist nicht mehr viel Platz für Mama und Papa.

 

Sicher kennst du den Satz: „Lass mich in Ruhe.“

 

Das ist wirklich wichtig für dein Pubertierchen und auch schon der erste Weg zur Minimierung des Problems. Diese Ruhe, bzw. das Alleinsein, was dein Kind, wenn es sein muss lautstark einfordert, ist tatsächlich wichtig. Deshalb besteht es auch mit Nachdruck darauf.

Du bist da leider oft nicht mehr gefragt. Wichtiges wird nun nur noch mit Freunden besprochen (außer kleine Ausnahmen oder Notfälle). Das tut am Anfang ganz schön weh und ist auch für dich verwirrend, auch das ist ganz normal. Schließlich musst auch du dich erst an die Verwandlung gewöhnen.

Da sind wir schon beim zweiten Punkt, der dabei helfen kann, dass dein Pubertier dann doch eines Tages wieder von ganz alleine aus seiner Höhle kommt und vielleicht sogar wieder Zeit mit dir verbringen möchte.

Akzeptanz und Verständnis sind hier die Zauberwörter. Gib ihm/ihr die Zeit zum Alleinesein und mach keinen Druck. Das führt nur zu Konflikten und Streit und dein Teenager fühlt sich nur noch unverstandener, als es im Moment sowieso schon der Fall ist.

Macht ein paar klare Dinge aus, zu denen Junior anwesend sein muss und sonst lass sie / ihn tatsächlich in Ruhe. Bei uns z.B. waren das die Mahlzeiten. Ich musste kein großes Theater darum machen oder sie bitten oder drängeln, das war von klein auf so und fertig. Daran gibt es nichts zu rütteln und diskutieren. Wir haben zusammen gegessen und dabei wurde dann ganz zwanglos einiges besprochen. Das ergab sich meistens von ganz alleine.

 

Ausnahmen und kleine Wunder

 

Ausgenommen war nur das Frühstück am Wochenende. Da darf jeder ausschlafen, dafür ist das Wochenende schließlich da. Bei uns passierte nach einer Weile etwas ganz Wundersames. Da bei uns das Sonntagsfrühstück immer recht gemütlich und ausgiebig ist, bestanden die Jungs darauf, geweckt zu werden. Heute machen wir es so: ich sage allen Bescheid und wer mag, steht auf und frühstückt mit. Ich kann euch sagen, meistens sind alle dabei 😉

 

Doch das wichtigste aller Zauberwörter ist GEDULD !

 

Sie brauchen diese Phasen, sie gehören zu ihrer „Verwandlung“ und sind unglaublich wichtig.

Manchmal dauert diese Phase lange an und das strapaziert natürlich unglaublich unsere Geduld. Doch wenn du es schaffst, zusammen mit Akzeptanz und einer riesigen Portion Verständnis, diese Geduld aufzubringen, wirst du vielleicht schneller belohnt werden als gedacht.

 

Diese Zeit geht vorüber und dein Kind wird diese Geduld belohnen, indem es immer öfter seine Höhle verlässt, um wieder gerne mit dir zusammen zu sein.

Zu guter Letzt wirst du dann auch noch mit einem stabilen Familiensystem belohnt, in dessen Nest die Kinder auch als Erwachsene immer wieder gerne zurück kommen. Schließlich haben sie sich dort verstanden und akzeptiert gefühlt.

 

 

 

KeepCool 
 Daniela

P.S. Du wünscht dir Hilfe und Unterstützung, um auch diese Geduld aufbringen zu können? Dann vereinbare hier

      http://keep-cool-mama.de/termine-2/ dein Kennenlern-Gespräch mit mir.

Lektorat: Almut Switalla (Schreibcoach)

Foto: Jonas Larbig (JoMa-Webschmiede)

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