Geschwisterkämpfe, sind für Eltern sehr anstrengend und machen sie traurig und wütend. Trotzdem haben sie einen Sinn, sind sogar wichtig und prägend für die gesamte Entwicklung.

Warum richten sich Wut und Aggressionen oft gegen Geschwister?

Welchen Anteil tragen wir Eltern daran ?

Können wir etwas dagegen tun?

 

Diesen Artikel widme ich meiner Schwester Caroline. Schön, dass wir uns gegenseitig am Leben gelassen haben, ich wüsste gar nicht, was ich nun ohne dich wäre <3

 

Müttern blutet oft das Herz, wenn ihre geliebten Kinder wie Hund und Katze sind.

Sie betreten den Raum, müssen sich nur anschauen und schon raucht es.

 

Die meisten Mütter zweifeln an ihrer Kompetenz. Sie fragen mich, was habe ich falsch gemacht? Warum können sich meine Kinder nicht lieben und super verstehen?

Also eben so, wie man sich eine tolle Geschwisterbeziehung vorstellt.

 

Zuerst einmal entspringt genau das mal wieder unserer Fantasie von der perfekten Familie und wie wir nun schon öfter festgestellt haben, gibt es die wohl hauptsächlich nur in unseren Köpfen.

Wollen wir sie denn überhaupt tatsächlich so haben? Alle strahlen sich den ganzen Tag an, sind brav und höflich, sauber und pünktlich. Also ganz ehrlich, mir wäre das zu langweilig, aber das nur mal am Rande.

 

Spulen wir mal ganz an den Anfang.

 

Ein Baby kommt auf die Welt und wird kleiner Bruder oder kleine Schwester. Soweit noch kein Problem. Die großen Geschwister freuen sich in der Regel erst einmal mit, weil sich alle nun auf das Baby freuen. Trotzdem sind die Großen die, die das neue Familienmitglied nehmen müssen, ob es ihnen Spaß macht oder nicht, in den seltensten Fällen werden sie ernsthaft gefragt. Dann kommt dieser kleine Prinz oder die kleine Prinzessin und „entthront“ die Erstgeborenen, bekommt einen Haufen Aufmerksamkeit (geht auch gar nicht anders), die Großen können null damit anfangen und trotzdem wünschen sich alle, dass sich einfach geliebt wird.

 

Umgekehrt ist es nicht anders. Eltern wünschen sich, dass die Kleinen einfach so diese große Nervensäge, die es nicht einmal leiden kann, lieben. Um so erstaunlicher ist es doch, dass viele es, trotz der ständigen Reibereien tatsächlich tun. Sie streiten sich, sie ärgern sich, sie kappeln sich und beleidigen sich….sie lieben und sie hassen sich.

 

Die besondere Beziehung

 

Ich bin der Meinung, auf eine Art, wie es nur Geschwister können. So emotional und so wechselhaft in seinen Gefühlen, kann man auch nur sein, wenn man sich sicher fühlt. Sicher, dass der/die andere nicht verloren geht. In einer Beziehung würde das kaum jemand aushalten und die Sache wäre zum Scheitern verurteilt. In einer Eltern-Kind-Beziehung wird es auf diese Weise gar nicht erst vorkommen, da die Voraussetzungen ganz andere sind.

 

Anders ist das in der Regel bei Geschwistern, sie wissen, dass der/die andere immer da ist, auch wenn gerade nicht vor Ort, aber Geschwister bleiben, egal wie, immer Geschwister und stehen in einer wirklich besonderen Beziehung zueinander.

Und das ist es, was sie haben, was Kindern ohne Geschwistern fehlen kann. Ihr Gegenstück an dem man seine eigenen Emotionen kennen lernt und ungefilterte Reaktionen zurück bekommt. Ja es kann auch durchaus sein, dass es Hass und Wut sind, die man dann zurück bekommt, oder selbst empfindet, aber immer mit dieser unbewussten besonderen Sicherheit. Das ist es, was dieses besondere Verhältnis ausmacht.

 

Die besondere Liebe

 

Genau so einmalig ist, die besondere uneingeschränkte Liebe, die es nur unter Geschwistern gibt. Sie ist, egal was mal war und wie viel Streit es in der Kindheit gab, bedingungslos und trotz (oder wegen) der „widrigen Umstände“, unter denen „ungefragt“ diese Beziehung zustande gekommen ist, einmalig und mit nichts zu vergleichen.

(Schwester, jetzt muss ich mal ein Tränchen verdrücken!)

 

Meine Schwester und ich, wir waren wie Hund und Katze. Sie wusste ganz genau, wie sie mich auf die Palme bringt und umgekehrt. Wir sind wirklich ein Vorzeigebeispiel, was Stress unter Geschwistern angeht, bis die Zeit kam, als wir selbst Kinder bekamen.

Heute weiß ich ganz genau, wie sie tickt und umgekehrt. Sie müsste nichts sagen, damit ich weiß, wie es ihr geht. Genauso wie ich weiß, dass sie da wäre, wenn ich sie brauche und umgekehrt.

 

 

Also der Stress und die Wut unter Geschwistern sind vollkommen in Ordnung und sehr hilfreich, um die eigenen Emotionen kennenzulernen und zu üben, mit denen der anderen umzugehen.

 

Natürlich weiß ich auch, dass das nicht immer so optimal läuft. Doch warum?

 

Nun kommen Eltern und Umfeld ins Spiel.

 

Was kann ich tun, damit aus ganz normaler Geschwisterrivalität und aus Geschwisterkämpfen, kein dauerhafter Hass entsteht?

 

Ich habe hier für dich einmal die wichtigsten 5 Punkte zusammen gefasst:

 

  1. Solange wie möglich NICHT einmischen. Erst eingreifen, wenn tatsächlich körperlicher Schaden entsteht oder, wenn ein Kind sich wirklich nicht mehr wehren kann.

 

  1. Die Kinder nie vergleichen! Wenn Eltern ständig schauen, wer was besser kann und noch dazu das betonen, heizen sie die Kämpfe unnötig an und hetzen die Kinder gegeneinander auf, so dass ein eigenes austesten und reagieren auf Emotionen kaum möglich ist. Schlimmer noch ist es, wenn Kinder gegeneinander ausgespielt werden.

 

  1. Regeln aufstellen! Beispiel: keine Kappeleien und kein Streit beim Essen. Was nicht immer einfach ist, weil jeder möchte ja das beste Stück Fleisch ;-), aber ist ja auch nur ein Beispiel.

 

  1. Kinder immer als einzelne Persönlichkeit sehen. Auch wenn sie vom Alter her sehr nah beisammen sind, haben sie möglicherweise vollkommen unterschiedliche Interessen und Geschmäcker. Außerdem sind die Großen, die Großen und dürfen schon Dinge tun, auf die die Jüngeren noch etwas warten müssen.

 

  1. Eigene Emotionen zeigen. Das ist meiner Meinung nach, der wichtigste Punkt. Das heißt, du darfst deinen Kindern klar zeigen, dass dich ihr Theater nervt und manchmal auch wütend macht. Also es ihnen auch genauso mitteilen. Zeigen, dass auch Eltern andere Gefühle haben, als unendliche Liebe. Die wird dadurch auch nicht in Frage gestellt, ganz im Gegenteil. Außer natürlich bei Anwendung physischer oder psychischer Gewalt. Also Schläge, Beleidigungen, herablassendes Verhalten oder sich über die Kinder lustig machen oder über sie herziehen sind natürlich tabu! Genauso wie du zeigen darfst und sollst, dass dich das traurig macht, wenn sie sich gegenseitig ständig ärgern.

 

 

So legst Du einen guten Grundstein dafür, dass diese ganz natürlichen Streitereien unter deinen Kindern, zu diesem tollen Vertrauensverhältnis führen. Dazu dienen sie.

Und du sorgst dafür, dass deine Kinder etwas für ihr Leben mitnehmen, was ihnen keiner mehr nehmen kann: sie können mit ihren und den Emotionen anderer gut umgehen und das ist die Grundlage für alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Ob zwischen Freunden, mit dem Chef, in ihrer Beziehung und dann auch mit ihren eigenen Kindern.

Mehr zu Wut in der Familie und Beziehungen erfährst du bei „Stimmen der Wut“ . 10 Expertinnen stehen dir dort mit Rat und Tat und sehr spannenden Beiträgen zur Seite!

 

 

KeepCool 
 Daniela

P.s. Schwester, ich glaube, es hat funktioniert.

Wer mich kennt, weiß, dass auch meine Jungs da nicht ohne waren und das ist wirklich harmlos ausgedrückt, doch mittlerweile hat es sich auch bei ihnen „umgekehrt“.

 

P.S.S. Du möchtest, dass deine Kinder auch ein tolles Verhältnis entwickeln? Ich kann dir dabei helfen. Vereinbare HIER dein kostenloses Kennenlerngespräch!

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