Neulich hatte ich eine E-Mail in meinem Postfach mit der Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, zu dem Buch „Schluss mit dem Spagat – wie sie aufhören, sich zwischen Familie und Beruf zu zerreißen“ einen Artikel zu schreiben.

Im ersten Moment dachte ich, das ist nichts für meine Leserinnen, denn die meisten haben schon größere Kinder und ganz andere Probleme. Ich machte das Postfach zu und damit war das Thema erst einmal erledigt……aber gar nicht lange.

 

Kommt der Spagat nicht oft genug auch noch in „fortgeschrittenen Familien“ vor? Nur dann ist er oft noch schlimmer geworden, einfach weil man es schon als normal ansieht. Täglich Stress, Streit und Geschrei sind anstrengend, aber teilweise hat man sich sogar schon daran gewöhnt. Also der Spagat ist schon soweit ausgedehnt, dass er an den Schenkeln nicht mehr schmerzt, dafür aber schmerzt der Rücken. Also dachte ich mir, Postfach ganz schnell wieder auf und Felizitas Richter geschrieben, dass ich gerne dabei sein möchte beim simple present-Praxistest.

Ich übernehme sozusagen die Rückenschule und den Schwangerschaftskurs. Rückenschule für die mit dem fortgeschrittenen Spagat und Schwangerschaftskurs um aufzuzeigen, was man schon früh vorbeugend tun kann.

 

Wo ist das Grundproblem? Warum befinden wir uns eigentlich schon chronisch im Spagat?

 

Da sind wir wieder genau da, wo viele unserer Probleme und Stressmacher beginnen. Eine Frau wird Mama, das erste Kind wächst in ihrem Bauch heran und sie hat schon eine Vorstellung davon, wie das mal so sein wird. Das kann sie gar nicht aufhalten, diese Vorstellungen kommen daher, wie wir leben und was wir mitbringen und was wir durch unser Umfeld übernehmen.

Viele haben auch schon eine Vorstellung davon, wie es garantiert mal nicht werden soll. Also niiiieeemals wird das Kind im Elternbett schlafen. Es wird auch nur gesundes Essen bekommen und zwar für immer. Und überhaupt, wird das Kind erst immer brav Hausaufgaben machen, bevor es sein Zimmer aufräumt und anschließend spielen geht.

Also Mama ist fest entschlossen und vorbereitet, schließlich möchte sie auch ganz bald wieder in ihren heiß geliebten Job einsteigen. Das ist auch kein Problem, schließlich ist sie ja nun wirklich die erste Mutter, die das tatsächlich so auch hin bekommt.Dann ist das Kleine endlich da und was passiert? Klar, es kommt ganz anders als Mama gedacht hat. Schon langsam bekommst du ein leichtes Reißen in den Schenkeln.

 

Es zieht immer weiter!

 

Und schon kommt das nächste Problem hinzu: der Druck von außen. Das Bild der perfekten Mutter, die logischerweise alles im Griff hat. Ihr Kind, ihr Haus, ihr Eheleben und den Job, Garten und Hund vielleicht auch noch!

Jetzt reißt es schon ordentlich in den Oberschenkeln, wenn Mama weiter dran bleibt und weiter allem gerecht werden muss.

 

Trotzdem kein Problem! Ja, wir schaffen das! Bob der Baumeister hat da vollkommen recht! Er und die anderen Mütter schaffen das schließlich auch.

 

Also immer schön weiter im Programm. Durchhalten ist die Devise, du hast es ja so gewollt (sicher?).

 

Meistens kommt man da auch irgendwie durch, irgendwann schmerzen die Schenkel nicht mehr so stark, bzw. man merkt es nicht mehr so sehr. Das ist in meinen Augen der kritische Punkt. Mama funktioniert einfach. Nicht immer gibt es Schlüsselerlebnisse, wie im Buch, als z.B. die junge Mama vor lauter Stress ihr Baby im Maxi Cosi an der Straße stehen lässt und weg fährt, die zum Nachdenken und Aufwachen zwingen.

Meistens ist es so, dass die Mütter tatsächlich in eine Art Gewohnheit verfallen. Frauen sind bekanntlich multitaskingfähig, also:

What`s the problem?

 

Das kann ich dir sagen.

Du gewöhnst dich nicht daran, sondern du machst, zumindest in deinen Augen, das Beste daraus. Es fährt sich sozusagen ein. Klar, dazu gehört auch, dass du abends völlig erschöpft auf der Bettkante sitzt und heulst, weil dir einfällt, dass du vergessen hast, einen neuen Farbkasten für dein Kind zu besorgen. Alles musst du alleine machen, keiner hilft dir und wenn, dann machen sie es sowieso nicht richtig.

Also am nächsten Morgen das selbe Spiel von vorn.

 

Du stößt an deine Grenzen

 

Irgendwann kommen wir dahin, was ich mit Rückenschmerzen meine. Wir haben uns an das Ziehen in den Schenkeln gewöhnt und spüren es gar nicht mehr, aber die Ursache ist nicht beseitigt. Deshalb verlagert sich der Schmerz jetzt woanders hin und verursacht neue Probleme.

Diese können sehr vielfältig sein: im Job, mit dem Partner oder eben die, die irgendwann bei mir im Coaching landen. Die Mütter, die mit sich selbst und ihren Kindern an ihre Grenzen stoßen. Die einfach nicht mehr können, die Angst um ihre Familie haben und deren Kinder sogar ausbrechen.

Die dort schon angekommen sind, wissen, was ich meine. Aber auch hier ist es nicht zu spät. Ja Rückenschmerzen sind langwieriger in der Behandlung, als überdehnte Schenkel, aber nichts ist unmöglich.

Hier die wichtigsten Tipps, die du von Anfang an (du kannst schon in der Schwangerschaft beginnen) für dich beherzigen solltest und mit denen du zu jeder Zeit einsteigen kannst.

Keine Angst, du wirst darin immer mehr Übung bekommen und immer besser werden.

1.Sorge immer gut für dich und deine Gesundheit. Du wirst deinem Kind nichts nützen, wenn du irgendwann schlapp machst. Du gibst „deinem Rücken und deinen Schenkeln“ in jeder Hinsicht eine gute Grundlage und Substanz, um den Spagat zwischen Familie und Beruf ohne Zerrung und mit gesundem Rückgrat zu bewältigen.

2. Gewöhne dir an, eines nach dem anderen zu erledigen, wir dürfen multitaskingfähig sein, müssen aber nicht! Ich finde es dann super und bezwecke auch einige Dinge gleichzeitig, wenn es MIR SPASS MACHT (dann liebe ich es total) Nicht wenn ich muss!

3.Sortiere deine Ansprüche. Was ist dir tatsächlich wichtig und wie genau? Wie perfekt muss dein Haushalt sein und wie perfekt dein Kind? Dein Haushalt wird sich nach dir richten, doch dein Kind sich möglicherweise wehren, wenn du es übertreibst. Schaue ganz genau, welches sind wirklich DEINE Ansprüche und welche die von anderen. Sortiere gnadenlos aus!

4.Gebe Aufgaben ab! Auch wenn sie vielleicht nicht so toll erledigt werden, wie du es dir wünschen würdest. Dann gehst du einfach nochmal zu Punkt 3, dann wird es einfacher.

5.Mache dir dein Geschenk, dein „simple present“. Bleibe, wie es der Name schon sagt, in der einfachen Gegenwart. Wenn du etwas tust, dann konzentriere dich nur darauf, auf dein Hier und Jetzt. So bist du viel effektiver bei der Arbeit.

Noch mehr kommt es dir und deinem Kind zugute, wenn du dich mit deinem Kind beschäftigst. Dann sei ganz bei ihm und dir, egal ob beim Spiel oder beim Zähneputzen.

 

Im Buch hat mir der Vergleich mit einer Murmel besonders gut gefallen. Sie dreht sich, ziemlich schnell sogar, aber wird nicht müde. Wenn ich mir das vorstelle, sehe ich sie, wie sie sich immer um sich selbst dreht und eben genau bei sich bleibt und trotzdem nicht ihre Kraft verliert. Kommt sie aber vom Weg ab und ändert ihre Richtung, wird sie immer langsamer und kraftloser.

 

Manchmal sind es wirklich die einfachen Dinge, die uns das Leben leichter machen.

KeepCool 
 Daniela

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